Folgen des Distanzlernens in den Vereinigten Staaten von Amerika

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA werden die schulischen Folgen des Distanzlernens ausgiebig diskutiert.

So befasst sich Eric Hanushek in einem Paper des Hoover Institutes (Stanford University) mit diesem Thema (Link zu dem Paper siehe unten).

Hanushek fordert in seinem Beitrag einen effektiveren Unterricht, um die gravierenden Lerndefizite, die aus der Pandemie resultieren, zu mildern. Er diagnostiziert für die USA, dass die durch die Pandemie verursachten Lernrückstände so schwerwiegend seien, dass sie für einen durchschnittlichen Schüler einen Verlust von 6% des Lebenseinkommens zu verursachen drohen. Weitaus gravierender seien die Folgen für schwächere Schüler. Daraus lassen sich, so Hanushek, enorme kumulierte Verluste beim Bruttosozialprodukt ableiten.

Als Vorschlag, diese Lerndefizite, die sich unter anderem besonders stark im Fach Mathematik zeigen, wertet Hanushek eine Reihe von Maßnahmen wie längere Lernzeiten und Nachhilfe aus. Deren Ertrag erscheint aber mäßig.

Erfolgsversprechender erscheint die Formel „Bessere Lehrer, bessere Ergebnisse“.

Hanushek verweist unter anderem auf eine Studie von Raj Chetty, John Friedman und Jonah Rockoff, die zu dem Ergebnis kommt, dass würde man die schwächsten 5% der Lehrkräfte aus dem Dienst entfernen und durch durchschnittlich effektive Lehrkräfte ersetzen das aufaddierte Lebenseinkommen der Klasse um 250.000 $ steigen würde.

Hanushek vermutet, dass auf das Fach Mathematik bezogen die Auswirkungen auf das Lebenseinkommen sogar noch größer seien könnten, als in der oben genannten Studie angenommen.

Leider, so Hanushek, sind die Möglichkeiten, die Effektivität von Lehrkräften zu erhöhen, begrenzt. Die seiner Meinung nach effektivste Lösung (die effektivsten Lehrer zu halten und zu belohnen und gleichzeitig die am wenigsten effektiven loszuwerden) ist nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch in Deutschland kaum praktikabel.

Sehr ausführlich referiert Hanushek die Auswirkungen des IMPACT-Systems.

Dieses wurde im Jahr 2009 in Washington D.C. implementiert. Dort wurden die effektivsten Lehrer mit Gehaltssteigerungen von bis zu 25.000 $ entlohnt. Die am wenigsten effektivsten Lehrer hingegen wurden entlassen.

Hanushek fasst die Ergebnisse des Projektes wie folgt zusammen:
Seit der Einführung von IMPACT vor mehr als einem Jahrzehnt und vor der Pandemie zeigten Testergebnisse von Washington D.C., dass Schüler bei der der nationalen Bewertung des Bildungsfortschrittes ( NAEP ), dies entspricht in Deutschland in Teilen den sogenannten Lernstandserhebungen, schneller und konsistenter bessere Ergebnisse erzielten als ihre Mitschüler in jedem anderen Großstadtbezirk mit erheblich benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Zwischen 2009 und 2019 verbesserten sich die Schüler in Washington D.C. in den Klassen 4 und 8 in ihren mathematischen Leistungen und im Lesen erheblich und übertrafen die Schüler in den anderen 16 teilnehmenden NAEP-Distrikten, die in der Studie als Vergleichsgruppe erfasst werden konnten. Im Gegensatz zu den Bezirken, die am IMPACT-Projekt teilnahmen, sank in den anderen Schulbezirken das Kompetenzniveau besonders in Zeiten des Schul-Lockdowns teilweise massiv.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen? Zur deutschen Schultradition (und zum Beamtenrecht) passt es nicht, ineffektive Lehrkräfte zu entlassen.

Dennoch könnte es sich lohnen, tabulos über ein effektives Anreizsystem nachzudenken, das Lehrkräfte, die nachweislich gute Ergebnisse (zum Beispiel bei Lernstandserhebungen) produzieren, Vorteile bringt.

Auch im Bereich der Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften sollte die Effektivität von Unterrichtsmethoden priorisiert werden.

In Deutschland wird in zu vielen Bereichen Stagnation belohnt und Innovation und Effektivität behindert.

https://siepr.stanford.edu/publications/policy-brief/simple-and-complete-solution-learning-loss-problem

Was Schulen brauchen …

… ,weiß ich nicht.

Ich weiß vor allem nicht, was andere Lehrkräfte zu diesem Thema denken.

Was ich aber glaube, sehr sicher zu wissen, ist dass, was „der Lehrerpräsident“ (sorry, aber meiner ist es nicht) im Focus aufführt, nicht das ist, was die Schulen, die ich kenne, brauchen.

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